WETTBEWERB SCHWIMMHALLE AM OTTO RUNKI PLATZ

LEIPZIG   |   DEUTSCHLAND   |   2019

Der Städtebau

Das Baugrundstück hat eine nahezu quadratische Form, wird durch vier Straßen begrenzt und bildet somit den Planabdruck eines gründerzeitlichen städtisches Blocks. Im Norden bildet die Eisenbahnstraße die Grundstücksgrenze, welche gleichzeitig stadtteilprägend und das urbane Zentrum des Leipziger Ostens ist. Auch verleiht diese Straße ein Image, welches sich jedoch von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft ändert und wandelt, wobei die zentrale Urbanität Bestand haben wird. Ziel und Absicht unseres Entwurfes ist es, die Schwimmhalle an diesem Ort als unmittelbaren Bestandteil mit all seinen Wechselwirkungen im Stadtgefüge einzubinden. Gleichzeitig möchten wir den unbebauten Teil des Grundstückes nicht in Restflächen zergliedern, sondern zusammenhängend gestalten und eine Verbindung zum Stadtteilpark Rabet herstellen. So platzieren wir das Gebäude der Schwimmhalle über die gesamte Grundstücksbreite direkt an die pulsierende Verkehrskante der Eisenbahnstraße. Häuserfluchten, Verkehr aus Straßenbahn und Kraftfahrzeugen, Radfahrer und Fußgängerströme, das „raue“ Stadtleben wird nur getrennt durch eine großzügig verglaste Fensterfront vom warmen, vergnüglichen Schwimmhallenfeeling. Der Wasserspiegel auf dem Niveau des Sockels von 1,50m Höhe nimmt über die Ausrichtung des Hauptbeckens die Fahrtrichtung der Straßenbahnen auf, welche an der unmittelbar vorgelagerten Haltestelle nach kurzem Stopp und Austausch von Einblicken weiterfährt. Kein Verstecken, sondern direkte Wahrnehmung zwischen zwei Stadtwelten, ganzjährige Korrespondenz zwischen natürlichen Jahreszeiten einer Großstadt und der künstlichen Wasserwelt einer Schwimmhalle, zwischen Wollmütze und Bademantel, schwimmen im Verkehrsstrom der Eisenbahnstraße.  


Das Freiraumkonzept

Eine Platzierung der Schwimmhalle in Richtung Süden haben wir für uns ausgeschlossen. Ein grüner Vorbereich entlang der Eisenbahnstraße würde die „harte“ Straßenkante und unsere Idee einer Urbanen Schwimmhalle konterkarieren und die eigentliche parkähnliche Grünfläche verringern. Stattdessen verdoppeln wir die Gehwegbreite und schaffen über die gesamte Grundstücksbreite einen gepflasterten Vorbereich. Der Haupteingang befindet sich im Nord Westen im Einfahrtsbereich der Konstantinstraße. Dem Sockel vorgelagert ist fassadenbegleitend ein Anteil der Fahrradstellplätze in Form von Fahrradbügeln. Das Foyer ist in südlicher Richtung über die Gebäudetiefe durchgesteckt und hat einen zweiten Zugang in direkter Gegenüberstellung zum Foyer des Medizinischen Versorgungszentrums. Auf dem Niveau von 1,50m verbindet eine Freitreppe beide Gebäude und schafft die Anbindung an den öffentlichen Gehweg. Der Freibereich zwischen beiden Häusern ist gepflastert und leitet über in südöstlicher Richtung in die gestaltete Parkanlage. In selber Richtung fällt das Gelände auf Gehwegniveau ab und findet im Kreuzungsbereich Lorenzstraße / Neustädter Straße den Anschluss zum Stadtteilpark Rabet. In einem geometrischen Raster aus unterschiedlichen Bepflanzungen sind die Stellplätze für 22 PKW integriert, die von der Neustädter Straße erschlossen werden. Ebenfalls von der Neustädter Straße erfolgt die Anlieferung der Schwimmhalle über eine Hebebühne einschl. Treppe an der südöstlichen Gebäudeecke. Das medizinische Versorgungszentrum ist versetzt um die Tiefe der Freitreppe und der gewonnene Vorbereich bietet Platz für 2 Behindertenstellplätze in Zugangsnähe des MVZ und schafft gleichzeitig den Übergang zum geschützten Freiraum entlang der Lorenzstraße.

 

Die Gebäude

Durch das gewünschte Funktions – und Raumprogramm ist im Wesentlichen  die flächenmäßige Abfolge einschl. der Flächengrößen vordefiniert. Die Absicht einer budgetkonformen Planung in Verbindung mit höchsten energiesparenden Eigenschaften folgend, ist unser Ansatz eine Form zu finden, welche alle Funktionen in selbstverständlicher Weise verbindet, welche konstruktiv simpel zu errichten ist und gleichzeitig eine zeitlose, die Funktion darstellende Ästhetik ausstrahlt. Die linearen Abläufe beider Gebäude sind am sinnvollsten in rechteckigen Grundrissen abzubilden. Dieser Grundrissstruktur folgt, über zwei Geschosse zuzüglich Sockel, die Kubatur und so besitzen beide Gebäude vier geradlinige Außenwände und ein Flachdach, so dass das effektivste Verhältnis von Außenwandfläche zur Nutzfläche dargestellt werden kann. Für das städtebauliche Konzept sind die Grundrissabläufe beider Häuser nicht getrennt zu betrachten, wobei die Ausführung und der Betrieb in Bauabschnitten ohne Einschränkung funktioniert. Die Funktionsweise der Grundrisse ist in den Zeichnungen selbsterklärend dargestellt. Alle drei Schwimmbecken sind in einer zusammen-hängenden Halle untergebracht um die Großzügigkeit und die gewünschten Durchblicke nicht zu unterbrechen. Eine temporäre Abtrennung zwischen Lehrschwimmbecken und Sportschwimm-becken erfolgt über einen viergeteilten Schallschutzvorhang 7,5m/6,3m z. Bsp. Silencer V2 mit einem Schalldämmmaß von Rw 19dB. Parkposition jeweils zweier Elemente zwischen zwei Holzstützen. Die Fassade des Schwimmbereiches ist im Raster von 4,00m in einer Höhe von 3,00m komplett verglast. So wird die gewollte Korrespondenz zwischen Innen und Außen erreicht und gleichzeitig werden im südlichen Grundstücksbereich keine dunklen Ecken für dunkle Aktivitäten geschaffen. Das statische System besteht aus umlaufend gleichdimensionierten Holzstützen und Bindern aus Brettschichtholz im Raster von 4,00m. Als Tragkonstruktion für das Retentionsdach sind Brettstapeldecken geplant. Alle Wandelemente oberhalb der Fensterverglasung sind gedämmte Holzrahmenwände. Alle Innenwandflächen, Deckenflächen und Ansichten der Dachbinder sind akustisch wirksam beschichtet bzw. verkleidet. Das komplette Tragwerk und alle geschlossenen Wandbestandteile sind modular vorgefertigt und bieten eine zeitoptimierte Montage. Die außenseitige Verkleidung der geschlossenen Wände oberhalb der Fenster besteht umlaufend aus geformten Glasfaserbeton-elementen. Sie verleihen dem Schwimmhallengebäude eine unverwechselbare Ästhetik ohne aufdringlich zu sein und stellt den Unterschied zu einer „normalen“ Sporthalle oder Lagerhalle her. Es wird ein Wiederkennungswert geschaffen und für den Betrachter, der es möchte, eine Assoziation zum welligen Wasser bzw. eine Reminiszenz zu vielen Schwimmhallen im gesamten geografischen Teil dieser Republik.   


Wassertechnik / Haustechnik

Die technischen Einrichtungen für die Badewasseraufbereitung wie Filteranlagen, Wasserspeicher, Umwälzpumpen, Mess-, Regel- und Dosiertechnik, Beckenwasser- erwärmung, Schaltschrankanlage etc. sind kompakt im Untergeschoss (Technikkeller), den Bade- wasserkreisläufen zugeordnet, vorgesehen. Als Verfahrenskombination zur Badewasseraufbereitung ist Flockung – Mehrschichtfiltration – Chlorung gewählt worden. Dementsprechend erfolgt die Auslegung der Filteranlagen / Filterflächen nach DIN 19643 für Filtergeschwindigkeiten von 30 m/h. Die Wasserspeicher (Rohwasser, Spülwasser, Spülabwasser) sind platzsparend unter Lehrschwimm- becken und Kinderbecken geplant. Zur Desinfektion der jeweiligen Badewasserkreisläufe ist Chlorgas vorgesehen, dabei werden zur Stabilisierung des pH-Wertes Marmorkiesreaktoren eingesetzt. Für ein nachhaltiges Planen, Bauen und Betreiben des Schwimmbades werden selbstverständlich energie-effiziente und betriebskostenoptimierte Komponenten und Anlagenteile geplant, hier u.a. energieoptimierte Umwälzpumpen, Wärmerückgewinnung und Solarenergie, Spülabwasser-aufbereitung je nach Einleitgenehmigung, automatische visualisierte Filter- und Anlagensteuerung belastungsabhängig je nach Besucherfrequentierung und Verschmutzungsgrad. Raumlufttechnische Anlagen, Trink – und Abwasser, Wärmeversorgungsanlagen und Elektroversorgung sind ebenfalls im halbunterkellerten Sockelgeschoss geplant. Die Belüftung erfolgt umlaufend über Auslasskanäle zwischen den Holzstützen entlang der Fassade. Abluft wird im oberen Bereich unterhalb des Hallendaches abgeführt. Die Verbindung aller Geschosse erfolgt über zwei zentrale Schächte. Im weiteren Planungsverlauf wird untersucht werden in welcher Größenordnung Solarenergie über PV Module auf den Dächern gewonnen und genutzt werden kann. Die Andienung / Anlieferung dieser Räumlichkeiten erfolgt über eine Hebebühne einschl. Treppe im Bereich der südöstlichen Gebäudeecke vom eigenen Grundstück aus. 


Visualisierungen: © renderatelier

  • AUSLOBER:
  • Sportbäder Leipzig GmbH