ALEXIS-SCHUMANN-PLATZ

LEIPZIG   |   DEUTSCHLAND   |   2016

Geschichte:

Die heutige Situation des Alexis-Schumann-Platzes ist das Resultat einer städtebaulichen Verlegenheitsplanung von 1958. Bis dahin stand dort die Kirche der evangelischen - lutherischen Andreasgemeinde. Der Kirchenbau wurde durch die Leipziger Architekten Weidenbach & Tschamer nach einem Wettbewerbserfolg geplant. Die Errichtung dauerte zwei Jahre und wurde 1893 beendet. Im selben Jahr wurde die Kirche am 3. Dezember geweiht. Namensgeber des Platzes ist der erste Pfarrer Alexis Schumann. 1940 wurde die Kirche durch Bombenangriffe stark beschädigt und schließlich 1958 abgebrochen und abgetragen.

Heute erinnert nichts mehr an den Kirchenbau und vermutlich wissen es auch nur noch die Mitglieder selbst, dass einst an dieser Stelle die Gottesdienste der Andreasgemeinde stattfanden.

 

Ursprung der Idee einer Bebauung:

Der Gedanke die Erinnerung zu wecken und gleichzeitig städtebaulich an dieser Stelle eine Verbesserung zu planen ist der Ansatz für unseren initiativen Entwurfsansatz. Wir sind uns bewusst darüber, dass anders als die Grünfläche an der Brüderstraße, der Alexis Schumann Platz „irgendwie“ seine Nutzung gefunden hat und es im ersten Moment erscheinen mag, als planen wir nun eine innerstädtische Parkanlage zu überbauen und eine weitere Grünfläche wird „zubetoniert“. Aber mehr als eine Grünfläche ist der Alexis Schumann Platz auch nicht. Der städtische Park befindet sich gegenüber auf der anderen Seite der Karl Liebknecht Straße – der Heinrich Schütz Platz mit seinen unterschiedlichsten Aufenthaltsbereichen unter alten Baumbeständen. Die Beliebtheit von Innenstadtlagen zum Wohnen, der nicht mehr vorhandene Leerstand, explodierende Grundstückpreise und die Zahl 600.000 berechtigen Überlegungen über Nachverdichtungsmöglichkeiten an unorthodoxen Plätzen im städtischen Besitz – nicht nur für Schulen, sondern zum Wohnen.

 

Nutzung der Bebauung:

Unsere Planung sieht die Errichtung einer Blockrandbebauung vor, in Art und Maß der umliegenden Bebauung für eine überwiegende Wohnnutzung ab dem 1. Obergeschoss und einem Sonderbau innerhalb des westlichen Blockrandes. Dieser westliche Blockrand nimmt nicht die Bebauungsfluchten der Karl Liebknecht Straße auf. Der so geschaffene Vorbereich wird zur Projektionsfläche der Erinnerung. In den Grundrisskonturen der ehemaligen St. Andreaskirche wird im Bodenbelag der einstige Turmstandort sichtbar und leitet über zum Eingang in ein leicht zurückspringendes Gebäude mittig der westlichen Raumkante. Die Breite des Rücksprunges entspricht den Außenabmessungen des zerstörten Kirchenbaus. Zweigeschossig befindet sich in diesem Sonderbauteil ein Raum genau an der Stelle des ehemaligen Hauptraumes der Kirche. Die Konturen von Chor und Sakristei bilden sich im Innenhof wieder im gestalteten Freiraum ab. 


Bilder: © klm-Architekten